Kalender - Hessen:

 

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Dezember-Kalenderblatt: Lichtgeschichten

Lichtgeschichten (2011)

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Da habe ich mich ja auf etwas eingelassen. Ich habe noch die freundliche Telefonstimme des Herrn im Ohr: „Würden Sie auch einen Artikel schreiben? Ich dachte, da es aufs Jahresende zugeht, an das Thema ‚Licht‘. Vielleicht könnten Sie das mit Wanderzielen, die ‚Licht‘ im Wort haben oder wo es um Licht geht, verbinden?“

Ja, nun verbinden Sie mal! Ach was – zuerst klären wir, was Licht ist. Wer hilft? Wikipedia! Die Online-Bibliothek erklärt: „Licht besteht aus elektromagnetischen Wellen in dem für die Sinnesorgane sichtbaren Bereich des elektromagnetischen Spektrums ...“

Na, das ist wohl nichts für einen Artikel. Wird die Beleuchtungsstärke nicht in Lux gemessen?! Aber was ich da bei Wikipedia lese, ist fast nur reine Mathematik. Doch dieser Satz ist eigentlich interessant: „Weiße Gegenstände, von einer Kerze im Abstand von ca. 1,8 m beleuchtet, erscheinen ungefähr so hell wie im Licht des Vollmonds.“

Nun gut, jetzt weiß ich, wie hell ein Vollmond scheint, aber die Leser wollen doch bestimmt nicht im Vollmond wandern – oder?!

Ich muss anders an diesen Artikel herangehen. Wanderziel mit dem Wort ‚Licht‘ im Namen? Da fällt mir zuerst die Kapellenruine „Im Lichtenklingen“ ein. Südlich von Siedelsbrunn zwischen Hardberg und Stiefelhöhe gelegen ist diese Ruine ein sehenswertes Ziel. Und sie ist wirklich eine romantische Ruine - mit viel Efeu überwuchert! Und wenn die Sonne scheint, dann ist das Spiel von Licht und Schatten in dieser ehemaligen Kapelle einfach schön. Dann wissen Sie auch, warum dieser Ort „Im Lichtenklingen“ heißt. Und wenn im Odenwald in einer Bezeichnung das Wort „Klingen“ vorkommt, so hat dieser Ort garantiert eine Quelle, einen Bach, ein Wasser. Nur wenige Meter von der alten Kapellenruine entfernt, plätschert eine Quelle. Die Geschichtsforscher vermuten, dass diese Stelle einst ein germanisches oder keltisches Quellheiligtum war. So wie unsere heidnischen Altvorderen uralte Bäume verehrten, so waren ihnen auch Quellen heilig. Mit dem Sieg des Christentums ersetzten die nun Mächtigen die alten Heiligtümer durch neue. Die (mindestens 800 Jahre) alte Kapelle wurde zur Marienkultstätte. Martin Luthers Reformation brachte nicht nur die Geistlichkeit in der katholischen Kirche in Bedrängnis, auch viele Klöster und Kapellen wurden von den aufmüpfigen Reformierten geschleift. Ähnlich ging es auch der Kapelle „Im Lichtenklingen“. Als „St Maria im Lichtenklingen“ im 16. Jahrhundert aufgegeben wurde, brachte man die Marienfigur in die Kapelle nach Unter-Abtsteinach. Und da soll das „Marien-Wunder“ geschehen sein: Dreimal kehrte die Marienfigur auf ungeklärte Weise nach Lichtenklingen zurück. Ja, früher da gab es noch Wunder! Na ja, wer‘s glaubt, wird selig.

Keine Legende dagegen ist, dass Lindenfelser Bürger Steine von der Lichtenklinger Kapelle holten, um damit ihre Häuser zu bauen. Es war billiger und weniger zeitraubend, bereits behauene Steine über die weite Strecke zu transportieren, anstatt Baumaterial im nahen Steinbruch zu gewinnen.  

Aber alleine schon dieser Transport über die sogenannten Fernstraßen der damaligen Zeit, die nichts anderes als Feld- und Waldwege waren, war eine Schinderei. Unsere löchrigste Teerstraße wäre für die Fuhrleute damals ein paradiesisch anmutender Weg gewesen. Mit mehreren Ochsen vor dem Karren ging es zuerst über die Berge hinauf, hinunter ins Weschnitztal und dann nochmals nach Lindenfels wieder hinauf. Wie viele Flüche haben wohl die Fuhrleute ausgestoßen, wie viele Achsen, wie viele Räder mögen da zu Bruch gegangen sein?!

Wussten Sie, dass gut „erzogene“ Ochsen fast alleine laufen. Sie werden mit Worten wie „Hüh“ und „Hot“ gelenkt, und nur eine Leine brauchte der Fuhrmann oder Ochsentreiber, um die geballte tierische Kraft in die richtige Richtung zu bewegen. Das Wort vom „dummen Ochsen“ ist da eigentlich nicht angebracht - „gutmütig“ wäre da schon besser.

Gutmütig waren garantiert nicht die Aufpasser, die die damaligen Verkehrswege kontrollierten. In Nähe von Olfen steht ein einzigartiges Kulturdenkmal – ein Verbotsstein. Da wurde im Jahre 1831 verfügt – so steht es auf dem Stein: „'Wer neber die Wandstein fährt und ohne Rathschuh rehmt, kost 1 Gulden 30 (Kreuzer), Straf 1831.“

Und damit wir heute, im 21. Jh. wissen, was ein Rathschuh ist, erklärt eine Tafel: „Mit Wandsteinen sind Begrenzungssteine an der Straße gemeint. Der Fuhrmann wird aufgefordert, auf dem Weg zu bleiben sowie bei der Talfahrt einen Radschuh anzulegen. Der Einfachheit halber blockierte man meist die Hinterräder mit Hilfe einer Kette, ohne den vorgeschriebenen Radschuh - den eisernen Wagenreifen- zum Schutz der Straße anzulegen."

Also - der Fuhrmann, der da erwischt wurde, riskierte mit dieser Strafe manchmal seinen gesamten Fuhrlohn. Das war ja schlimmer, als heute bei „Rotlicht“ mit 80 über die Kreuzung zu rasen. Und garantiert lauerten die Straßenaufseher – oder waren dies Polizisten, die die Kassen des Landesherrn auffüllten? – dort, wo man garantiert einen reuigen Sünder erwischen konnte. (Das kommt mir so bekannt vor?! Ihnen auch?)

Und ist Ihnen aufgefallen, wie man im Jahre 1831 schrieb? Der Herr Konrad Duden lebte zwar schon, aber 1831 war er erst 2 Jahre alt. Erst 1880 veröffentlicht er sein wichtigstes Buch: „Vollständiges Orthographisches Wörterbuch der deutschen Sprache.“ Und damit endete die Zeit, in der man schreiben konnte, wie man wollte.

Schade eigentlich! Stellen Sie sich doch mal vor, der Schulmeister sagt zu Julchen: „Ei Julschen, schreib mol sou wie du sprischst.“

Und das Julchen schrieb: „Hell laischt des Lischt zude selige Woinoachtszeit.“

Und selbst, wenn man in einem Satz dasselbe Wort unterschiedlich schrieb, so war dies richtig. Man konnte also Lischt schreiben oder Liecht oder … Und alles war richtig! Was für herrliche Zeiten?! Kein Deutschlehrer würde einem Schüler eine „5“ oder sogar „6“ geben können, denn man schrieb, wie man sprach. In einer neuen PISA-Studie würde Hessen ganz vorne liegen. Die Lehrer hätten weniger graue Haare und die Schüler keine Misserfolge!

Aber zurück zu dem Verbotsstein. Nicht weit von diesem Kulturdenkmal könnten Sie eines der letzten echten Hochmoore im Odenwald besuchen: das Olfener Moor oder auch Rotes Wasser genannt. Und da dies ein Moor ist, so könnten Sie dort Irrlichter sehen – allerdings nur nachts.

Den Weg könnten Sie bei Vollmond antreten, denn Sie wissen ja, der Mond leuchtet dann so hell, wie ein Kerzenlicht in einem 1,80 m-Abstand.

Ach, vergessen Sie das lieber! Besser - Sie besuchen bei Tageslicht dasLichtenberger Schloss. Wunderschön im Fischbachtal gelegen, sind dieses Schloss und das mächtige Bollwerk in der Gemeinde Lichtenberg - das Bollwerk ist ein imposanter Schutzbau aus dem 16. Jahrhundert - ein Besuchermagnet. Das Museum im Schloss ist klein aber fein. Dort könnten Sie auch der Frage nachgehen: „Im Mittelalter war ein Pferd mit Hufeisen doppelt so teuer wie eines ohne Hufeisen!“ Wahr oder Unwahr?  Was meinen Sie?! Im Museum wird diese Frage beantwortet. Dann wird Ihnen ein Licht aufgehen!

So - wie lang sollte der Artikel werden? „So etwa 2 Seiten“, meinte der Herr vom Weschnitz-Blitz. Nun, jetzt muss mir aber auch noch ein Licht aufgehen! Das sind noch keine 2 Seiten!

Was bietet sich an – die Lichte Höhe des Saukopftunnels? Uninteressant, ist doch kein Wanderziel, obwohl man über dem Tunnel wunderbar wandern kann – z. B. zum Hirschkopf. Ich brauche einen Geistesblitz!

Blitz und Donner! Ist doch einfach, liegt direkt vor der „Haustür“ und jeder, der im Weschnitztal wohnt, ist mindestens einige Hunderte Male, wenn nicht Tausende Male daran vorbei gefahren: der Donnersberg bei Mörlenbach. Im Heimatbuch Mörlenbach ist in einem Beitrag eines Pfarrers Lesker aus dem 19.Jh. zu lesen: „Beharrlich nennen die Mörlenbacher den Hügel ‚Donnersberg‘, obwohl er im Grundbuch als Ulrichsberg bezeichnet ist.“

Nun, wissen Sie, welcher Hügel gemeint ist? Richtig, rechts von der B 38, gleich hinter Mörlenbach in Richtung Rimbach, gegenüber dem Gewerbegebiet. Heute ist der Hügel bewaldet, ein Kreuz und ein steinerner Altar stehen auf dem Berg. Vor der christlichen Zeit sollen hier germanische Heiden ihrem Gott Donar, der auch für Blitz und Donner verantwortlich war, Opfer dargebracht haben. Stellen Sie sich vor, dieser „Donnersberg“ wäre kahl, genauso wie die umliegenden Höhen nicht bewaldet waren. Ein heidnischer Priester zelebriert ein Tieropfer und Hunderte und Aberhunderte Germanen schauen von den umliegenden Höhen zu. Sie schlugen mit dem Ango (Wurfspeer) oder der Franziska (Wurfaxt) auf ihren Schild und gaben somit ihre Zustimmung kund. Und Donar schickte seinen treuen Fans einen hellen Lichtblitz und ließ den Donner grollen! Wie mag da das Weschnitztal gedröhnt haben!

So, jetzt sind es garantiert 2 Seiten und mir bleibt nichts anderes übrig, als Ihnen allen ein frohes Lichterfest zu wünschen.

 

Herzlichst

Ihr

Joachim Größer

Dieses Kalenderblatt ist als ein Artikel in der Zeitschrift "Weschnitzblitz" erschienen. (Dezemberausgabe 2011)

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