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März-Kalenderblatt: Geschichten vom Bauer und vom Lärmen

Geschichten vom Bauer und vom Lärmen

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von Joachim Größer (2012)

 

Bestimmt kennen Sie das Frühlingslied „Im Märzen der Bauer die Rösslein anspannt …“ Nun, heute gibt es auf den Weiden im Odenwald und im Ried viele Rösslein, doch keines von denen wird angespannt. Oder haben Sie einen Bauern mit einem Pferd den Acker pflügen gesehen? Die meisten dieser „Freizeit-Pferde“ würden ziemlich mies aussehen, wenn man sie als Ackergaul gebrauchen wollte. Die Ackergäule wurden von den Bauern in langer Tradition gezüchtet. Kaltblüter waren es; ruhige, genügsame Tiere, die selbst die größten Anforderungen als Herausforderung meisterten.  

Ochsen waren einst als Zugtiere im Früh- und Hochmittelalter in Land- und Forstwirtschaft dominierend. Wollte aber ein Bauer in der späteren Zeit erfolgreich sein, brauchte er gute, starke Pferde. Die Pferde waren es, die im Wald Holzstämme rückten, die den schweren Heuwagen zur Scheune brachten, die den Eisenpflug durch den Boden zogen, die dann später auch der einfachen Mähmaschine zum Einsatz verhalfen und dem Bauern die schwere Sensenarbeit abnahmen Ein armer Bauer mit wenig Land behalf sich mit einer Kuh. Somit war er ein „Kuhbauer“. Und oft genug fehlte dem Bauern auch das Rindvieh und dann spannte sich solch ein armes Bäuerlein selbst vor seinen Pflug, neben ihm zog seine Frau und eines der „starken“ Kinder führte den Pflug. Ja, die gute alte Zeit war nicht für alle eine gute Zeit.

Wussten Sie, dass Deutschland zu den waldreichen Ländern Europas zählt? 31% der Landfläche sind bewaldet, in Hessen sogar 42% und da hat der Odenwald garantiert einen Anteil daran. Früher waren viele Flächen im Odenwald, auf denen heute Fichten- und Mischwälder vorherrschen, Ackerland. Der Gebirgsboden im Odenwald ist von minderer Qualität. Um den Boden bearbeiten zu können, mussten Steine vom Acker gelesen werden und oftmals findet man noch heute mitten im Wald solch einen jahrhundertealten Steinhaufen.

Aber die Redewendung „Der Mann ist steinreich!“ bezog sich nicht auf den Bauern mit dem steinigen Acker. „Steinreich“ waren die Menschen, die es sich leisten konnten, ein großes Steinhaus zu besitzen. Und das war im Mittelalter im seltensten Fall ein Bauer. Kaufherren, Mühlenbesitzer (im Volksmund „Bachprinzen“ genannt), Edelleute, die leibeigene Bauern ihr Eigen nannten, bauten feste Häuser, Burgen und Schlösser. So stellte man damals den Reichtum und die Macht zur Schau.

In den Dörfern standen Lehm- oder einfachste Holzhütten. In diesen oft genug baufälligen Gebäuden (nach heutigen Maßstäben) lebten Mensch und Haustier unter einem Dach. Die Dächer wurden mit Schindeln gedeckt. War Holz zu teuer, so behalf man sich mit Stroh. War große Hungersnot und auch das Futter für die Tiere aufgebraucht, so deckte man Teile des Daches ab, um mit dem Altstroh die Kuh oder das Schwein zu füttern.

Und dann gab es noch Menschen, die auch im Odenwald über keine Bleibe verfügten. Selbst die ärmlichste Hütte wäre ihnen wie ein „Schloss“ vorgekommen. Wildeleutestein, Wildweibchenstein und Wildfrauenhaus sind heute Wanderziele, die mitten im Wald liegen. Es sind Felsenburgen (so nennt der Geologe diese herausverwitterten großen Felsansammlungen), die den Obdach- und Besitzlosen einen Unterschlupf in einer Halbhöhle boten. Diese Menschen, die am Rande jener mittelalterlichen Gesellschaft lebten, boten den Bauern ihre Arbeitskraft an und wurden dafür mit Essen bezahlt. Einige der schönsten Odenwaldsagen geben Auskunft über diese „wilden Leut“.

Noch eine andere Hinterlassenschaft aus der Zeit des mittelalterlichen Ackerbaus kann man im Odenwald entdecken: die Wölbäcker. Die Gemeinde Mörlenbach hat schon vor längerer Zeit den „Naturkundlichen Wanderweg“ geschaffen. Am Steinböhl steht eine Tafel, die Auskunft über diese gewölbten Äcker gibt: „Etwa zurzeit von Christi Geburt begann der Pflug aus Eisen das Bild der Landschaft zu formen. Dies war der sogenannte Beetpflug, der die Scholle immer in die gleiche Richtung warf, und zwar zur Mitte des Ackers hin. Um nicht so oft wenden zu müssen, wurden immer längere Äcker angelegt, die sich im Laufe der Zeit hin aufwölbten (‚Wölbäcker‘). Diese Pflügetechnik beugte der Erosion vor, lieferte in feuchten Jahren gute Ernten in der trockeneren Mitte und in trockenen Jahren gute Ernten an den feuchten Rändern des Ackers. Stellenweise sind ehemalige Wölbäcker noch heute zu erkennen.“

Es waren schon kluge Leute, diese Bauern, die auch mit einfachster Technik, auf schlechtem, steinigem Boden noch einigermaßen gute Ernten einbringen wollten. Aber oftmals halfen dem Bauern seine klugen Gedanken nicht im Kampf ums Überleben. Besonders im 19. Jahrhundert gaben viele Bauern ihre Höfe auf. Entweder gingen sie als Tagelöhner in die Städte oder, wenn sie Bauern bleiben wollten, wanderten sie aus. Osteuropa und Amerika hieß dann das Ziel. Ein treffliches Beispiel für solch ein Bauernschicksal findet man kurz hinter der Landesgrenze im Badischen Odenwald (von Abtsteinach Richtung Heiligkreuzsteinach). Der Ringeshof, erstmals 1316 erwähnt, wurde 1847 aufgegeben. Alle Gebäude wurden entfernt, das Gelände wurde aufgeforstet. Heute verkündet eine Tafel, dass dieser Wald, der „Bannwald“, zu einem Urwald (unter wissenschaftlicher Aufsicht) heranwachsen darf.

Die wenig ertragreiche Landwirtschaft der damaligen Zeit revolutionierte ein Hesse: Justus Liebig, Sohn eines Darmstädter Drogisten. Das Ludwig-Georgs-Gymnasium in Darmstadt beendete er schon vorzeitig. Einer Anekdote zufolge soll einer seiner Lehrer Justus Liebigs Intellekt so bewertet haben: „Liebig, du bist ein Schafskopf! Bei dir reicht es nicht mal zum Apothekenlehrling.“

Hätte der Lehrer gewusst, dass dieser “Schafskopf“ später für seine Verdienste zum Freiherrn geadelt wurde, er hätte nicht so von seinem Schüler gesprochen. Zwar hatte er recht mit der Aussage, dass es Liebig noch nicht einmal zum Apothekerlehrling brachte, denn in der Apotheke in Heppenheim am Markt (siehe Hinweisschild am Haus: Apothekergässchen - Markt) soll er nach Experimenten mit Knallsilber und einem hervorgerufenen Dachstuhlbrand hinausgeschmissen worden sein. (Ob das wahr ist?! Es gibt Historiker, die bezweifeln diese Legende.)

Noch heute feiern wir diesen Liebig als großen Chemiker, der als Begründer der Organischen Chemie, der Agrikulturchemie und der Ernährungsphysiologie gilt. Ihm verdanken wir u.a. den Kunstdünger, das Chloroform und die ersten Fleischextrakte (quasi Fertiggerichte).

Als Justus Liebig 1803 in Darmstadt geboren wurde, wurde im Odenwald und im Ried ein besonderes Alarmsystem eingestellt – die Lärmfeuer. Etliche Historiker meinen, dass schon die Römer in grauer Vorzeit solch Feuer-Alarm-Systeme benutzt haben. Egal, wie alt dieses besondere Alarmsystem auch sein mag, wenn im Ried oder im Odenwald der Ruf erschallte: „Die Feier brenne!“, dann brannten die Feuer auf den Bergen. Dann konnte man sich drauf verlassen, dass der Bauer seine wertvollste Habe versteckte, die Tiere in den tiefsten Wald trieb und er in einer Erdhöhle zu seinem Herrgott betete, dass die Söldner sein Haus nur plündern aber nicht anzünden mögen. Und solche schlimme Kriegszeit brannte sich ins kollektive Gedächtnis der Menschen: der Dreißigjährige Krieg (1618 bis 1648).  Spanier, Schweden, Franzosen, Bayern, Kaiserliche und Reformierte – egal welcher Religion sie angehörten, egal, welchem Herrn sie dienten, die Söldner nahmen sich, was sie brauchten. Der Krieg ernährt den Krieg!  So führte man bereits im 17. Jh. einen Krieg! Verweigerten die Städte das Herausgeben der Stadtkasse, nahm man sie mit Gewalt und oft genug legten die Söldner dann Feuer als Strafe für die Stadt. Viele Flurbezeichnungen (z.B. Schwedenschanze) oder Sagen (z.B. die Sage von den versenkten Silberglocken – Mörlenbach) erinnern noch heute an diese schwere Zeit. Im damaligen Gebiet des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation starben vier Millionen Menschen (von geschätzten 17 Millionen vor dem Krieg). Hunger und Epidemien (Pest, Fleckfieber, Cholera) verschafften dem Totengräber viel Arbeit. In den alten Chroniken der Weschnitztal-Orte fanden die Heimatforscher erschütternde Berichte über die Gräuel des Krieges. So manches Dorf verschwand für immer – verwüstet, abgebrannt und nicht wieder aufgebaut. Wüstung nennt man dann das (ehemalige) Dorf. So stand einst am Neckar (Straße Hirschhorn – Eberbach) der Hof Weidenau. Nichts erinnert heute mehr an dieses Gut. Heute findet man dort (zwischen Neckar und Landstraße) nur ein besonderes einzigartiges Steinkreuz, das seinesgleichen sucht.

Selbst als 1648 in Münster und Osnabrück der Frieden besiegelt wurde (Westfälischer Frieden), endete noch nicht Tod und Verderben. Entwurzelte Menschen, marodierende Söldner, die nichts gelernt hatten – außer zu Töten, nahmen sich von der Bevölkerung, was sie brauchten. Wurden solche Banden gesichtet, so warnten auch dann die Alarmfeuer die Bevölkerung. Am Tag sah man den Rauch und des Nachts das helle Feuer. Vom Rhein bis zum Hinteren Odenwald (Würzberg bei Michelstadt) wurde „gelärmt“ – Alarm geschlagen. Die Flurbezeichnung „Lärmfeuerberg“ (bei Mossau) erinnert noch heute an eine ehemalige Signalstation auf diesem Berggipfel.

Seit einigen Jahren brennen im März oder April im Ried und im Odenwald wieder die „Lärmfeuer“ an historisch belegten Stätten. Wenn es heute heißt: „Die Feier brenne!“, so trifft man sich zum Durstlöschen im Festzelt am Feuer.

Bis 1803 sollen diese Alarmfeuerketten bestanden haben. In diesen Alarmstellen waren in unruhigen Zeiten die Wachmannschaften in kleinen offenen Holzhütten untergebracht. Auch waren hier die Sammelstellen für Bewaffnete, die die Bevölkerung schützen sollten.

Solche Alarmketten zu unterhalten, bedeutete auch für die damalige Zeit eine großartige logistische Leistung. Organisiert wurde sie von der Obrigkeit, denn die hatte auch ein wirtschaftliches Interesse daran, dass das Land nicht durch Brandschatzung und Ausplünderung weiteren Schaden nimmt.  Es war aber auch ein Ausdruck der gegenseitigen Hilfe, einer Solidarität in schwerer Zeit!

Das April-Kalenderblatt heißt: Oster- und Wettergeschichten

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