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April-Kalenderblatt: Oster- und Wettergeschichten

Oster- und Wettergeschichten

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von Joachim Größer (2012)


Frohe Ostern wünsche ich Ihnen! Und natürlich ein Osterwetter, das dem April keine Ehre macht!

Aber bevor Sie Ostern feiern können, stelle ich Ihnen eine Aufgabe: Fassen Sie bitte alles Wichtige, das Ihnen zum April einfällt, in sechs Sätzen zusammen - und bitte gereimt! Was? Sie meinen, ich mache einen Aprilscherz? Nein, nein – versuchen Sie es! Zu schwer? Nicht möglich!?

Nicht nach unten schielen, nicht schummeln, ehrlich bleiben … oder haben Sie etwa auch 10 Vornamen?!

Sie können es nicht - ich auch nicht! Der Dichterfürst, geadelt vom Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach, ein Hesse, Liebling der Deutschlehrer, Johann Wolfgang Goethe konnte dies! Hier nur die ersten zwei Zeilen (alle sechs Sätze am Ende des Kalenderblattes):

 

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden, belebenden Blick …“

 

Ja, so beginnt der „Osterspaziergang“ aus dem „Faust, der Tragödie erster Teil“.

 

Mir geht’s heute nicht um die Schönheit der Sprache des Altmeisters der deutschen Dichtkunst. Ich schreibe über „die Auferstehung des Herrn“ - also über das Osterfest, das zugleich ein Frühlingsfest ist und über „die Schauer körnigen Eises“ – gemeint ist das Aprilwetter.

 

Wann feiern wir das christliche Auferstehungsfest, das Osterfest?

Ostern liegt immer zwischen dem 22. März (frühestens) und dem 25. April (spätestens).

Warum so unterschiedlich?

Der Kirchenkalender legt fest, dass der Ostersonntag abhängig ist vom Frühlingsvollmond. Und Frühlingsanfang ist astronomisch festgelegt auf den 21. März (kalendarischer Frühlingsanfang).

Was heißt eigentlich Ostern?

Wikipedia meint, dass der Name altgermanischen Ursprungs ist und mit der Himmelsrichtung „Osten“ zusammenhängt. In einem Lexikon fand ich, dass „Im Allgemeinen der Name Ostern auf den Namen der germanischen Frühlingsgöttin Ostara bezogen wird.“

Nun, die Christen feiern die Auferstehung ihres Herrn Jesus Christus und Christen und Nichtchristen feiern das Frühlingsfest, welches erwiesenermaßen heidnischen Ursprungs ist. Und für die Kinder sind natürlich das Osterei und der Schoko-Osterhase wichtig, ob nun christlich oder heidnisch – nur schmecken muss es.

Wie kam es zu dieser Verschmelzung von christlicher und heidnischer Mythologie?

Als im Jahre 496 in der Schlacht von Zülpich Chlodwig I., König der Franken, das alemannische Heer besiegte, siegte er zugleich über die germanischen Götter. Hatte er doch in einer kritischen Phase der Schlacht, so die Legende, zum Gott der Christen gebetet und versprochen, sollten die Franken siegen, würde er sich taufen lassen.

Die Franken siegten, Chlodwig ließ sich mit 3.000 seiner Krieger taufen und damit wurde der Grundstein für ein christlich geprägtes Europa gelegt. Der Odenwald wurde jetzt komplett fränkisch und damit christlich. (Das „Odenwälderische“ ist ein rhein-fränkischer Dialekt.)

In den ersten christlich geprägten Jahrhunderten wurde nur zu Ostern getauft und nur Erwachsene. Hier eine kurze Kostprobe aus dem Fränkischen Taufgelöbnis* in Althochdeutsch:

Frage des Priesters: „Forsahhistu unholdun?“ (Schwörst du den Unholden ab?)

Der Täufling antwortete: „Ih fursahu!“ (Ich schwöre ab!)

Priester: „Forsahhistu unholdun uuerc indi uuillon? (Schwörst du den Unholden Beistand und Wohlwollen ab?)

Täufling: „Ih fursahu!“ (Ich schwöre ab!)

10 Fragen stellte der Priester und der Täufling antwortete entweder mit „Ih fursahu!“ (Ich schwöre ab!) oder „Ih gilaubu!“ (Ich glaube!)

Die „Unholdun“ waren natürlich die heidnischen Gottheiten. Die Christianisierung erfolgte über mehrere Jahrhunderte. Bonifatius fällte die „Heiligen Bäume“ der Germanen, um so zu beweisen, dass der Gott Odin (im südgermanischen Raum hieß Odin Wodan) keine Gewalt über einen Christen habe. Da der alte Götterglaube aber schwer zu bekämpfen war, errichteten die Kirchenleute an den heiligen Stätten der Germanen kirchliche Einrichtungen. So entstanden z. B. im Odenwald am Quellheiligtum „Im Lichtenklingen“ die Kapelle „St. Maria“, auf dem Kreuzberg (zwischen Balzenbach und Hemsbach) wurde um 1350 die Kapelle „Zum heiligen Kreuz“ errichtet und auf dem Kapellenberg (bei Weschnitz) die Kapelle „Walburga“. (Zu diesen beiden letztgenannten Kapellen mehr im Mai-Kalenderblatt.)

Und noch bis heute sind viele Osterbräuche aus heidnischer Vorzeit erhalten. Osterfeuer und Osterrad gehen auf germanische und keltische Sonnenkulte zurück. Fruchtbarkeitssymbole (Osterei und Osterhase) sind seit dem 17. Jh. belegt.

Das Osterwetter kann so sein, wie man es vom April erwartet. Es gab Feste bei fast 30° C und man glaubte im Hochsommer zu sein. Und in einem anderen Jahr drückten sich Ihre Sprösslinge die Nasen an der Fensterscheibe platt, weil sie sehen wollten, wo der „Osterhase“ die bunten Ostereier im Schnee versteckt habe. Und dann kann es auch geschehen, dass Klein-Marie sagt: „Papa, der Osterhase hat solch große Füße wie du!“

„April, April, der macht, was er will!“ Diese Redewendung kennen alle. Andere verbinden Aprilwetter mit dem Wechselspiel des Lebens:

„Aprilwetter und Herrengunst, drauf zu bauen, ist umsunst.“ Oder: „April und Weiberwill ändern sich schnell und viel.“

Warum ist das so? Nicht das mit der Weiberwill – das lassen wir beiseite. (Und außerdem will ich es mir nicht mit dem schönen Geschlecht verderben.) Warum also ist Aprilwetter so wechselhaft?

Südeuropa und Nordafrika werden im Frühjahr durch die höhere Intensität der Sonnenstrahlen stärker erwärmt als Nordeuropa und das Nordmeer. Unterschiedliche Temperaturen bedingen unterschiedliche Luftdruckgebilde. Über dem Nordatlantik und Westeuropa bilden sich häufig und besonders im April Luftwirbel (Tiefdruckgebiet oder Zyklone genannt) aus, die warme Luft aus südlichen Breiten und Kaltluft aus dem Norden ansaugen. Ein solcher Wirbel kann dann im Extremfall von Nordeuropa bis ins Mittelmeergebiet reichen. Im April folgen nun mehrere solcher Zyklonen (Zyklonenfamilie) von West nach Ost und damit über uns Mitteleuropäer hinweg. Die Meteorologen sagen dann: Zyklonale Wetterlage.

Wenn Sie also im Wetterbericht Zyklonale Wetterlage (oder Westwetterlage) hören, dann können Sie sich auf dreierlei Wetter einstellen, denn solch eine Zyklone zieht mit ihrer Vorderseite (und Warmfront), dem Warmsektor und der Kaltfront in der Regel innerhalb von 24 Std. über uns hinweg. In aller Kürze: Sehen Sie am Himmel Cirren (Federwolken), dann kommt der Regen der Vorderseite. Die Wolken verdichten sich – leichter bis mäßiger Regen; Regenschirm aufspannen! Die Warmfront zieht nach einigen Stunden über uns hinweg: Es hört auf zu regnen, die Wolken lösen sich auf, es ist angenehm warm. Und für uns heißt das: Regenschirm schließen, eventuell Jacke ausziehen.

Solch schöner Warmsektor kann uns nur für eine Stunde, aber auch für einen ganzen Tag im April erfreuen. Garantiert kommen danach „ohnmächtige Schauer körnigen Eises“. Der Wind frischt auf, kann Starkwind oder Sturmstärke erreichen; Platzregen, Schneeschauer, Graupel, Hagel runden das Bild von der Kaltfront ab. Die voranrückende (schwere) Kaltluft drückt die (leichtere) Warmluft nach oben. Die kühlt sich ab – ca. 1° C pro 100 m. Geht das Aufsteigen besonders schnell vor sich, bilden sich nicht nur mächtige Haufenwolken aus, sondern auch Gewitter. Wir sprechen dann vom sogenannten Sch…wetter; dem Meteorologen freut’s! Endlich tut sich was in der Atmosphäre! Manchmal tut sich aber auch zu viel, so dass dann der nette Herr oder die liebenswerte Dame am Abend säuselt: „Es kann aber auch ganz anders kommen!“ Oder sie sagen auch nur: „Es erwarten Sie Regen, Sonne und Schneeschauer!“

Je nach Laune können Sie sich dann das Geeignete selbst aussuchen.

Noch ein Tipp, wie Sie bei Ihrem Sohnemann Eindruck schinden könnten. Stellen Sie sich mit dem Rücken in Windrichtung, strecken Sie den linken Arm aus und sagen: „Dort ist das Zentrum der Zyklone!“ Am Abend an der Wetterkarte zeigen Sie auf den Odenwald und garantiert in nördlicher Richtung steht groß und dick ein „T“.

Bei Töchtern klappt das manchmal nicht. Dann wedeln Sie lieber mit einem Fünfziger und sagen: „Kauf dir neue Jeans und einen Pulli!“ Sie sind dann garantiert der beste „Pappi“ oder „Pappilein“ auf dieser schönen Erde.

Sie können aber auch mit Ihrer Familie einen Ostermarkt besuchen! Wo? Da wäre der Ostermarkt in der Gemeinde Hering unterhalb der Burg Otzberg zu nennen. Ein Ortsteil der Stadt Reichelsheim, Ober-Ostern bietet natürlich auch solch einen Markt. Der Ortsname „Ostern“ verpflichtet natürlich! Wobei dieser Ortsname eigentlich gar nichts mit dem schönen Frühlingsfest zu tun hat. Bei Wikipedia nachgeschaut: Osterna (lat.) bedeutet so viel wie „nasses Land“; im Laufe der Jahrhunderte wurde daraus Ostern.

Diese Gegend, auch außerhalb des Ostermarktes aufzusuchen, lohnt sich aber, denn Sie befinden sich dann in einem der ältesten Erzabbaugebiete (Arezgrefte, zu Hochdeutsch: Erzgruben) des Odenwaldes. Aber dazu mehr in einem späteren Kalenderblatt.

Ich verabschiede mich mit guten Wetterwünschen für das Osterfest und lassen Sie sich nicht „in den April schicken“!

 

* Fränkisches Taufgelöbnis gefunden in „Althochdeutsche Literatur“, Union Verlag Berlin, 1979, 1. Auflage

 

Und hier die versprochenen sechs Sätze!

 

„Vom Eise befreit sind Strom und Bäche

durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

im Tale grünet Hoffnungsglück;

der alte Winter, in seiner Schwäche,

zog sich in raue Berge zurück.

Von dort her sendet er, fliehend, nur

ohnmächtige Schauer körnigen Eises

in Streifen über die grünende Flur.

Aber die Sonne duldet kein Weißes,

überall regt sich Bildung und Streben,

alles will sie mit Farben beleben;

doch an Blumen fehlt’s im Revier,

sie nimmt geputzte Menschen dafür.

Kehre dich um, von diesen Höhen

nach der Stadt zurück zu sehen!

Aus dem hohlen finstern Tor

dringt ein buntes Gewimmel hervor.

Jeder sonnt sich heute so gern.

Sie feiern die Auferstehung des Herrn,

denn sie sind selber auferstanden:

Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,

aus Handwerks- und Gewerbesbanden,

aus dem Druck von Giebeln und Dächern,

aus der Straßen quetschender Enge,

aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht

sind sie alle ans Licht gebracht.“

(Auszug aus: Der Osterspaziergang, Faust I)

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Bilder von den Orten, die im Kalenderblatt benannt sind:


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