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September-Kalenderblatt: Naturgeschichten

Naturgeschichten

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von Joachim Größer (2012)

 

Natur kennt jeder! Bäume, Gras, Boden und Blumen, und, und … das ist Natur. Ist doch logisch oder …? Ist nun der Golfrasen auch Natur? Und der hübsche Vorgarten mit den vielen exotischen Gewächsen aus Südamerika, Südafrika oder aus der Mittelmeerregion? Klar, ist Natur! Es wächst ja! Ist das nun wirklich Natur?

Die exakte Wissenschaft definiert Natur so:

 

-  1. Jener Teil der Welt, dessen Entstehung und Existenz unabhängig ist vom Eingriff des Menschen; Gegenbegriff zur Kultur. Die Stellung des Menschen in der Natur ist zwiespältig, da er ihr einerseits angehört, sie andererseits aber zu verstehen und beherrschen sucht.

-  2. Im ursprünglichen Zustand Belassenes.

-  3. Veranlagung. *

 

Wenn wir also von dieser Definition ausgehen, dann müssen wir uns ehrlich eingestehen, wir leben heute in einer vom Menschen geprägten Landschaft – einer Kulturlandschaft. Und dafür sind nicht nur die jetzt noch lebenden Generationen verantwortlich, sondern alle Generationen vor uns, die begonnen hatten, ihre Umwelt nach ihren Vorstellungen und zu ihrem Vorteil auszunutzen und zu verändern.

Immer wieder gibt es Meinungen, die da lauten: „Zurück zur Natur!“ Für die Einen heißt das, Landwirtschaft betreiben wie unsere Ur-, Ur-, Urgroßväter. Leider klappt das nicht, denn dann müssten wir darben und oftmals Hunger leiden. Die Produktivität dieser Landwirtschaft wäre viel zu gering.

Andere verbinden mit der „Natur“, sich nackt in Wald und Feld - so wie einst unser Urahn der Homo heidelbergensis - zu bewegen. Sie schultern als Nackedeis den Wanderrucksack oder radeln nackt durchs pralle (Natur-)Leben. Der „Alte Fritz“ (gemeint ist der Preußenkönig Friedrich, der Große) formulierte einst: „Da soll doch jeder nach seiner Fasson selig werden!“ So sollte man wohl auch über diese „Nackedei-Bewegung“ denken.

Und wieder andere möchten wenigstens kleine Territorien in einer ursprünglichen Natur für die jetzigen und die späteren Generationen erhalten.

Da ich weder Landwirtschaft betreibe, noch als Nackedei durch unseren schönen Odenwald wandern werde, wende ich mich „naturbelassenen“ Regionen zu. Und das, so glaube ich, ist der richtige Begriff für unsere Naturschutzgebiete.

Um die drei größten Naturschutzgebiete in Südhessen zu erwandern, müssen wir unseren Odenwald verlassen und uns ins Hessische Ried begeben. „Biedensand“ und „Kühkopf-Knoblochsaue“ heißen zwei der NSG und verdanken ihre Entstehung dem Alt-Rhein. Als der Rhein im 19.Jh. begradigt wurde, wurden die ehemaligen Überschwemmungsgebiete landwirtschaftlich genutzt. Erst später erkannte man die besondere ökologische Bedeutung und schuf die Naturschutzgebiete. Mittlerweile trägt z.B. das NSG „Kühkopf- Knoblochsaue“ das UNESCO-Prädikat „Europareservat“ und ist durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union zusätzlich geschützt.

Das Naturschutzgebiet „Biedensand“ ist mit seinen 530 ha das drittgrößte hessische Naturschutzgebiet. Hier können noch seltene Pflanzen und Vogelarten in einer natürlichen Umgebung beobachtet werden. Mehr als 90 Vogelarten brüten hier und 245 Arten (Wintergäste und Zugvögel) wurden dort schon gesehen. Eine große Kormoran-Kolonie (im "Welschen Loch" – „Fretter Loch“)  ist mit bloßem Auge zu erkennen. In den Röhrichten brüten Rohrsänger, Rallen und viele Blaukehlchen. Gut ausgebaute Wanderwege laden Spaziergänger und Radfahrer ein, ein kleines aber äußerst reizvolles „Stückchen Erde“ zu erkunden. Übrigens, die Stechmücken- und Schnakenplagen sind auch selten geworden. (Siehe August-Kalenderblatt: Die vier Ägyptischen Plagen des Rieds.)

Viele Fröschlein hüpfen zwar noch auf den saftigen Wiesen, sind aber garantiert auch keine Plage mehr. Und sie warten, von Ihnen entdeckt zu werden. So könnten Sie im März/April dort ein blaues Fröschlein sehen. Der kleine Kerl hat aber nicht zu viel Alkoholisches zu sich genommen. Nein, nein - er ist nicht betrunken, sondern liebestrunken.  Das ist bei dieser Spezies so. Er protzt mit Farbe, um die angebetete Moorfrosch-Dame zu bezirzen.

Hüpfen und springen tun hier auch viele Heuschrecken und Grashüpfer. Und wenn Sie sich Zeit nehmen und die Schrecken näher betrachten, dann finden Sie auch die sehr selten gewordene Sumpfschrecke mit ihren roten „Beinstrümpfen“.

Ein drittes Naturschutzgebiet entstand erst mit einem riesigen Aufwand an Renaturalisierungsmaßnahmen: das NSG „Weschnitzinsel“. Auf den großen Wiesenflächen brüten heute u. a. Kiebitz, Steinkauz, Rebhühner, Feldlerche, Wachteln und (nach 50-jähriger Abwesenheit) die Bekassine. Auch Kraniche nutzen die Flachwässer der Überflutungsgebiete als nächtliche Schlafplätze auf ihrem Zug zu den und von den Winterquartieren. 

Ein weiteres NSG liegt im nördlichen Odenwald - das NSG „Reinheimer Teich“ - und wartete erst vor Kurzem mit einer Sensation auf. Mehr durch Zufall wurde hier die Europäische Sumpfschildkröte wieder entdeckt und dies ist die bis dahin einzige bekannte Population in den alten Bundesländern.

Sensationell war auch die Meldung des NABU-Kreisverbandes Bergstraße, dass am Schlossberg bei Heppenheim, unterhalb der Starkenburg, die Europäische Gottesanbeterin sich wieder heimisch fühlt. Aber auch Zaunammer und Bienenfresser sind hier gesehen worden, genauso wie die seltene Blauflügelige Ödlandschrecke und der Feld-Sandlaufkäfer.

Mauereidechse, Schlingnatter lieben dieses Trockenareal genauso wie die äußerst seltene Bocksriemenzunge (eine Orchidee).

Klein aber fein! – so könnte man viele NSG oder Landschaftsschutzgebiete im Odenwald beschreiben.

Unser Odenwald gehört mit zum hessisch-badischen Äbbelwoi“- Gebiet. Streuobstwiesen waren von alters her die wichtigsten Lieferanten für das gegorene Getränk. Heute haben alle diese Wiesen eine besondere Aufgabe für den Bestand typischer Streuobstwiesen-Bewohner  und deshalb wird der Erhalt dieser Biotope auch vom Staat gestützt. Wenn diese Wiesen nicht gedüngt, wenn sie erst im Spätsommer gemäht, wenn selbst verdorrte Äste nicht beseitigt und bereits abgestorbene Bäume nicht gefällt werden, dann finden hier viele vom Aussterben bedrohte Vögel (z.B. Steinkauz und Wiedehopf), Säuger (Fledermäuse, Gartenschläfer, Siebenschläfer, Mauswiesel), Amphibien und Reptilien und eine Vielzahl an Insekten und Spinnentiere einen Lebensraum.

Wenn Sie an einem warmen  Tag im Hoch- oder Spätsommer durch eine bunte, duftende Blumenwiese laufen und hören die Grillen und Schrecken zirpen, sehen die farbenprächtigsten Schmetterlinge von Blüte zu Blüte flattern, dann wissen Sie, warum solch Biotope erhalten werden müssen. (Jedem Bauern, der nur einen sehr kleinen Teil seines Bodens so extensiv nutzt, muss der Dank der gesamten Gesellschaft gehören!)

Wenn früher in grauer Vorzeit Tiere und Pflanzen ausgestorben sind, war dies auf natürliche Ursachen zurückzuführen. Seit der Mensch sich zum Herrn über die Natur gemacht hat, verschwinden mehr und mehr Pflanzen und Tiere - auch aus Mitteleuropa. Alles was der Mensch als Nahrungskonkurrenten ansah, wurde bekämpft. Das galt für Wolf und Luchs genauso wie für Insekten. Heute einen Großen Kohlweißling flattern zu sehen, grenzt an ein Wunder. Nur der Kleine Kohlweißling und der Rapsweißling fliegen noch relativ häufig im Odenwald und im Ried. Wann wird der Große Kohlweißling auf der „Roten Liste“, der Liste der vom Aussterben bedrohten Tiere und Pflanzen stehen? Kein grünes Räupchen hat auf den Feldern der Gemüse-Agrarier eine Daseinsberechtigung. Werden wir, wenn bei uns der Große Kohlweißling ausgestorben ist, dann für viel Geld diesen Falter wieder ansiedeln? Exportieren wir dann Raupen aus Osteuropa, weil es dort noch Große Kohlweißlinge gibt? Oder züchten wir vielleicht in speziellen Gewächshäusern dann solch Insekten? Absurd – ich weiß, aber …

Heute stehen Wolf und Luchs unter Schutz. Jeder Wolf ist in Hessen willkommen (und wird doch geschossen!). Der Luchs soll schon durch den Odenwald streifen. Trittspuren verraten seine Anwesenheit. Im Kleinen Odenwald ist der Biber gesichtet worden und hatte im großen Odenwald am Marbach-Stausee einen kurzen Gastaufenthalt gegeben. Bestimmt wird er auch für immer im großen Odenwald auftauchen. Und seit Februar 2012 steht fest, dass die Europäische Wildkatze, die Waldkatze, nach 100-jähriger Abwesenheit wieder in den großen Wäldern des Odenwaldes eine Heimat gefunden hat. Und seit dem Spätsommer 2017 ist es amtlich: Der Wolf ist im Gebiet Waldmichelbach gesichtet und fotografiert worden! Nach 150 Jahren ist der "Isegrim" wieder im Odenwald angekommen!

Auch Kolkrabe, Uhu und Wanderfalke sind als Brutvögel wieder im Odenwald heimisch. Dem Uhu und dem Wanderfalken hilft der Mensch mit den von ihm geschaffenen Brutplätzen. Das sind einmal die Steinbrüche und zum anderen die künstlichen Bruthöhlen auf hohen (Strom-)Masten. Sensationell ist auch, dass durch Zufall im "tiefsten" Odenwald der überaus scheue Schwarzstorch als Brutvogel gesichtet wurde.

Vieles ist in den letzten Jahren durch Politik und Naturschutzverbänden „angeschoben“ worden. Reicht dies jetzt schon?

Vor etlichen Jahren gab es einen Slogan, der beeindruckend in einem Satz aussagte, wie die Stellung des Menschen zu seiner Umwelt sein sollte: „Wir brauchen die Natur – die Natur braucht uns nicht!“    

Und wie wir die Natur brauchen, verdeutlicht eine Meldung der OECD  (Organization for Economic Co-operation and Development). So gehen Wissenschaftler davon aus, dass die verseuchte Luft allmählich die Menschheit töten könnte. Bereits gegen 2050 könnte die Zahl der Sterbefälle, verursacht durch die verseuchte Luft und die daraus resultierenden Atemwegserkrankungen,  3,6 Mio betragen und wäre damit zweimal höher als gegenwärtig. Die düstersten Aussichten hätten danach die aufstrebenden Schwellenländern, allen voran Indien und China.

Bisher hat sich die Menschheit in den entscheidendsten Phasen des Überlebens immer für das Leben entschieden – auch in Deutschland. 

Erinnern Sie sich noch:  

-       Es wurde in den 70-/80-igern das Sterben unserer Wälder vorausgesagt. Die Prognose trat nicht ein.

-       Unsere Flüsse waren Abwässerkanäle! Heute hat selbst der Rhein wieder Bade-Qualität. Es schwimmen selbst Fische, die eine sehr hohe Wasserqualität beanspruchen, wieder in unseren Flüssen – auch in der Weschnitz. Und sogar 63 Fischarten gibt es wieder im Rhein - nur der Stör fehlt noch. Und etliche der Fischarten sind auch bereits wieder in der Weschnitz anzutreffen. (z. B. Forelle, Rotauge und Döpel) Auch sollen die Chancen nicht schlecht stehen, dass bald auch der Lachs wieder in der Weschnitz flussaufwärts wandern kann.

Und sofort hört man Klagen, dass der Kormoran die Fischlein fängt und nicht der Angler. Wann hört der Mensch auf, die Natur nur „gewinnmäßig“ zu betrachten? Wir leben im Überfluss – es bleiben garantiert genug Ressourcen für eine intakte Flora und Fauna – und wenn es auch nur in ausgewählten und begrenzten Gebieten geschieht.

Es bleibt die Hoffnungt, dass auch zukünftig noch mehr für eine lebensbejahende  natürliche Umwelt getan wird!

 

*aus Universal-Lexikon 2011, © 2011 PHOENIX publishing services GmbH, München.

Das Oktober-Kalenderblatt heißt:  Geschichten vom Wandern

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